ModernClassics - Yachten aus dem Werkstoff GFK

Material

Glasfaserverstärkter Kunststoff ist ein Faser-Kunststoff-Verbund aus einem Kunststoff (z. B. Polyesterharz, Epoxidharz oder Polyamid) und Glasfasern. Er ist der am häufigsten eingesetzte langfaserverstärkte Kunststoff. Die Entwicklung dieses zweiteiligen Werkstoffes hat hauptsächlich in den 1930er Jahren stattgefunden, wobei man mit verschiedenen Trägermaterialien, zunächst sogar mit Baumwolltuchen oder Palmzweigen experimentierte. Der Durchbruch erfolgte mit den ab Mitte der 1930er Jahre in den USA industriell hergestellten Endlos-Glasfasern, die als Verstärkungsfaser dienen, sowie der Entdeckung des Harzes Polyester im Jahre 1936. Teilweise wird GFK umgangssprachlich auch als Fiberglas bezeichnet. Das Wort ist ein Anglizismus, der sich aus fiberglass/fibreglass gebildet hat.


Besonderheiten
Im Gegensatz zum vorher dominierenden Baustoff Holz können GFK-Rümpfe Leichtigkeit, Festigkeit, Formbarkeit, einfache Pflege und Reparatur sowie die nicht zu unterschätzende hohe Dichtigkeit bieten.
Durch die veränderte Struktur und den Wegfall der Zwänge durch Holzverbindungen und -bauweisen war auch eine neue Formensprache möglich. So laminierte Willy Asmus (Hanseaten Yachtwerft) ausgeformte Halterungen für Töpfe und Geschirr, wasserdichte Innenschalen für die Stauräume unter den Kojen und mit der Kanzel der Hanseat 68/69 ein gutes Beispiel für die Flexibilität des Werkstoffs GFK. Die runden Decksluken und halbrunden Niedergänge in Kanzelform als Markenzeichen der Pioneer-Yachten von van de Stadt aus den 1960er Jahren hätten niemals ohne GFK gebaut werden können.

Klassiker
Was ist ein Klassiker? 
„Unter Klassikern versteht man also Dinge oder künstlerische Werke, die Eigenschaften besitzen, die sie zeitlos machen, wobei sie durchaus Zeitgeist reflektieren dürfen, vielleicht sogar sollten. In jedem Fall sollten sie eine beispielhafte Form vorweisen und, soweit es Produkte betrifft, sich in Gestaltung und Funktionalität hervorheben. Auf keinen Fall reduziert sich jedoch die Möglichkeit, von einem Klassiker zu sprechen, nur auf das Baumaterial.“
(Aus dem Vorwort von Torsten Conradi in „Die Klassischen Yachten. Die Kunststoffrevolution“ von Detlef Jens, Koehler Verlag)

 
Youngtimer heute
Die heutige Werftenvielfalt mit industrieller Produktion wie bei Bavaria, Hanse, Jeanneau und Bénéteau und die daraus resultierende Vielfalt unterschiedlicher Segelyachten auf dem Wasser wäre ohne diese lange Entwicklungsgeschichte des Werkstoffs und der darauf ausgerichteten Konstruktionen nicht denkbar. Vieles, was uns heute wie eine zeitlose Selbstverständlichkeit vorkommt, hat sich erst in den letzten Jahrzehnten nach und nach heraus geformt: ob der pflegeleichte GFK-Rumpf, die Bezahlbarkeit des Segelsports, die Variantenvielfalt wie in der Autoindustrie oder Details an Deck und darunter.
Ein Boot, das schon einige Jahrzehnte hinter sich hat, gefällt nicht (mehr) jedem. Es stellt sich manchmal quer zu aktuellen Strömungen und geübten Sehgewohnheiten. Im Bereich der Autos (Oldtimer) sieht man, dass es manchmal einigen zeitlichen Abstands bedarf, bis man wieder ein Auge für die Schönheit und Besonderheit entwickelt.
So dürfte die typische Beule der IOR-Zeit dem jüngeren Auge etwas merkwürdig vorkommen. Der Kenner weiß aber, dass der Bootstyp auch deswegen drei Mal den Halbtonnerpokal gewonnen hat. Die scharfen, strakenden Rumpflinien der IMS-Risse dürften auch nicht Jedermanns Geschmack sein, sind aber aus der Linienführung der Regattaszene in den letzten Jahren zur Basis des allgemein gültigen Zeitgeistes geworden. 
Auf den ersten Blick sind einige GFK-Yachten manchmal etwas sonderbar. Auf den zweiten Blick erkennt man vielleicht mehr: das Liebenswerte, die über die Jahre gerettete Schönheit und Eleganz, manches Detail, das vieles heute Selbstverständliche erst möglich gemacht hat. All diese Klassiker sind Zeugen ihrer Zeit und Bausteine der Kulturgeschichte des Wassersports.
Einem frisch fertiggestellten Boot, das uns heute noch modern und zukunftsweisend vorkommt, wird es genauso gehen: Entweder wirkt es in 20 Jahren einfach nur alt und sonderbar — oder es ist zu einem echten Klassiker gereift.




 

 

ModernClassics Maasholm

Martin Horstbrink

Friedrich-Wilhelm-Straße 27
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