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  Pandora International Nr. 552 Eintragungsdatum: 31.01.2014  6443 mal angesehen 


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Allgemeine Daten:
Bootsname: Grote Bries
Bootstyp: Pandora International
Bau- / Segelnummer: 552
Baujahr:  1974
Werft: Rydgeway Marine Ltd., Suffolk, GB
Konstrukteur: E.G. van de Stadt/ NL
Heimathafen:  Hamburg, zur Zeit Wedel
Eigner: Elfi & Thomas Leptihn
Homepage:
 
Abmessungen:
Länge ü.A.: 6,95 m/ WL 6,65 m
Breite: 2,10 m
Tiefgang: 0,65 m/ 1,40 m
Verdrängung: 1,5 m3
 
Besegelung:
Segelfläche am Wind: 23,5 m2 
Großsegel: 8,6 m2
Genua: 14,9 m2
Fock: 11,5 m2, Fock 2 = 7,5 m2 
Spinnacker: 32,4 m2
sonstige Segel: Sturmfock 4,5 m2

Sonnensegel/Bimini ca. 2 m2
 
Motorisierung:
Motor-Typ: Außenborder Langschaft
Hersteller: Yamaha
Leistung: 8 PS
Baujahr: 1985
 
Bootsbeschreibung / Ausrüstung / Besonderheiten:

Bei der Pandora International handelt es sich um einen kleinen, aber recht seetüchtigen Segelkreuzer aus Kunststoff (GFK) aus der Feder des renomierten Konstrukteurs Ericus Gerardus van de Stadt aus den Niederlanden. Zu Recht werden diese kleinen, stäbigen Boote im englischsprachigen Raum auch "Pocket Cruiser" (Taschenkreuzer) genannt.

Um die Entstehungsgeschichte verständlich zu machen, muß weiter ausgeholt werden.

Es gibt die folgenden Versionen innerhalb der Pandora-Baureihe: Trotter (NL), Trotter (Argentinien), Trotter Pandora bzw. Pandora Mk I (NL), Trotter Pandora bzw. Trotter Pandora 22' (Argentinien), Pandora International (GB) bzw. Trotter Internacional (Argentinien) und Pandora 700 (GB). Diese Boote wurden mit Mittelkiel, Kimmkiel als auch Kielschwert vertrieben. Typisch für die Linienführung dieses Konstrukteurs und seiner Zeit waren die sehr elegante und abgerundete Linienführungen an Deck wie am Rumpf, die sich auch in anderen Bootstypen von v.d. Stadt wiederfanden.

Zur Vorgeschichte und Entwicklung

Der niederländische Konstrukteur E. G.van de Stadt entwickelte 1958 für einen Konstruktionswettbewerb  eine offene Kieljolle zum Segeln in den Binnenbereichen von Holland, genannt Randmeer. Diese offene Kieljolle wurde seit 1962 auf v.d. Stadt’s eigener Werft entwickelt und hergestellt und wird bis heute bei der Jachtwerf Heeg in NL-Heeg gebaut. Die Randmeer  hat bis heute eine sehr aktive Klassenvereinigung in den Niederlanden.

Basierend auf der Randmeer wollte v.d.Stadt einen geschlossenen Daysailer bauen,  erhöhte daher das sehr flache Freibord dieser Jolle und verpasste dem ganzen eine Decksschale. Auf dieser Weise entstand die Trotter, der Prototyp aller späteren Pandora’s als ein kleiner, eingedeckter Küstenkreuzer.

Aus der Trotter entwickelte sich schließlich - mit einer abermals geänderten Freibordhöhe und leichten Modifikationen am Rumpf - ein neuer Kreuzer, der sich nun Trotter Pandora  nannte. Von 1967 bis 1970 wurden diese Boote bei der eigenen Werft von Van de Stadt in NL-Zaandam gebaut als auch bei Grimsby Plastics/ GB.

Parallel dazu wurde die Lizenz von van de Stadt zum Bau dieser Boote nach USA, Australien und Japan vergeben.

Lizenzen gingen auch an die Yacht- und Bootswerft Astelleros Marco SAIC in Buenos Aires, Argentinien, wo zum Teil abgeänderte Varianten unter den Bezeichnungen Trotter, Trotter Pandora oder auch Trotter Pandora 22' und zuletzt der Trotter Internacional gebaut wurden.

Eine weitere Version entstand bei der Werft Peulen bei Maastricht/NL als Lizenzbau unter dem Namen Trotter Pandora oder auch Pandora Mk I ("Mark one", 20 Boote) im Zeitraum 1972 bis 1982.

Im gleichen Zeitraum und unter dem gleichen Namen wurde ebenfalls in van de Stadt’s eigener Werft die Pandora gebaut.

Die Firma Rydgeway Marine Ltd. in Lowestoft Suffolk/GB - hervorgegangen aus einem Kunststoff verarbeitenden  Betrieb, der Fertigteile für die Industrie und Schifffahrt herstellte – erwarb die Formen (Negativschalen) 1970 von Grimsby Plastics. Rydgeway Marine Ltd. entwickelte die nun daraus folgende Pandora Mk II .Das Boot hatte die damals typische, abgerundete Aufbauform, die die Boote aus dem Hause van de Stadt auszeichnete. Dieser Typ wurde bis 1973 in dieser Form gebaut.

1973 änderte Rydgeway Marine in größerem Stil die Decksform des Bootes, indem der Aufbau weiter nach vorne gezogen wurde, seitlich zwei Fenster und im vorderen Bogen des Aufbaues eine Luke erhielt. Dadurch bekam das Boot eine sehr elegante Linie, die bis zum Ende der Produktion dieses Bootstyps beibehalten wurde. Der Spiegel war neutral, also ohne Überhang und nicht einfallend. Der Kiel wurde sehr kurz als Flossenkiel ausgebildet. Die hölzerne Ruderanlage war am Spiegel angehängt.

Gleichzeitig wurden auch viele Änderungen am Rigg vorgenommen (Mast höher und Großbaum kürzer). Der nun verkaufte Bootstyp nannte sich jetzt Pandora International und wurde 1973 bis 1976 gebaut.

1976 fand die letzte Änderung der Pandora-Serie statt. Bei der nun Pandora 700 genannten fällt der einfallende Spiegel besonders ins Auge, der dem Boot etwas Rasantes gibt. Leider fielen die vorderen Fenster im Aufbau weg. Außerdem wurde an vielen Details gespart, die vorher bei der Pandora International Standard sein konnten (z.B. die Form der Schwalbennester). Eingebettet war diese Bootskonstruktion in die damalige IOR-Formel, erkennbar am geänderten Seitenverhältnis von Kiel und Ruder und dem Rigg, dem einfallenden Spiegel, verlängerter Wasserlinie und dem integriertem Ruder unterhalb des Spiegels. Das Boot wurde nun größer (ca. 7 Meter, daher „Pandora 700“). Dieses Boot wurde bis 1991 gebaut.

Die Fertigung wurde eingestellt, da die Firma Rydgeway Marine Ltd. in Insolvenz ging. Das hatte unter Anderem damit zu tun, dass sich auf dem Bootsmarkt große Veränderungen auftaten wie z.B. der Trend zu immer größeren Booten. Zuletzt hatte das Programm dieser Werft aus den folgenden Booten bestanden: Pirate International, Prelude International , Pegasus 700 und Pegasus 800, Pandora 700 und der Prospect 900. Vermutlich reichte die gute und solide Bauweise dieser Boote nicht aus, denn offensichtlich hatte man einige Trends und Entwicklungen auf dem Bootsmarkt ignoriert, was den Innenausbau und die Größe der Boote anbelangte.

Mir sind keine Boote der Werft Rydgeway Marine Ltd bekannt, die Osmoseprobleme haben. Leider sind die meisten Boote, die auf dem Gebrauchtbootmarkt zu finden sind, in einem erbärmlichen Zustand. Dies ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass die GFK-verarbeitende Industrie den potentiellen Kunden immer erzählte, dass Kunststoff nicht gepflegt werden müsste.

Allgemeines zu der Pandora International

Das Boot wurde mit Mittelkiel (Kurz- oder Flossenkiel), Kimmkiel oder in der Kielschwertversion ausgeliefert. In Deutschland sind ca. dreiviertel aller Boote mit Kurzkiel und einviertel der verkauften Boote mit Kielschwert ausgeliefert worden. Einen Unterschied zwischen Kielschiff und Kielschwerter bei Abdrift und Höhe am Wind (ca. 40°) konnte während des praktischen Tests vom Verfasser nicht festgestellt werden. Das liegt vermutlich an dem stark erhöhten Tiefgang des Schwertbootes (T = 1,40 zu 1,14 m) sowie dem vergrößerten Lateralplan aufgrund des längeren Ballastkieles.

In England wurden - aufgrund der langen Küstenabschnitte mit zum Teil starkem Tidenhub -  gleichzeitig sehr viele Kimmkieler verkauft .

Gebaut wurden vom Typ „Pandora“ im gesamten Zeitraum ca. 900 Yachten (nur Europa !) der  Baureihe in den Niederlanden und Großbritannien sowie weitere in Australien, USA und Japan. Eine große Fertigung und Verbreitung entstand in Argentinien. Sogar in Hongkong wurden schon Boote gesichtet !

Das Boot vom Typ Pandora International wurde normalerweise wie folgt ausgestattet:

  • im Handauflegeverfahren laminiert
  • Innenschale, die Schwitzwasser verhindert und Wärme bzw. Kälte absorbiert (Isolierung) und gleichzeitig große Stabilität gibt
  • jeweils 1 Koje Bb und Steuerbord (Hundekojen)
  • eine große Koje Vorschiff (2 Personen
  • Tisch (demontierbar)
  • separater Sitz an Stb. (gleichzeitig Stauraum)
  • je nach Ausstattung WC oder Chemietoilette unter der vorderen Koje
  • Pantrysektion an Bb bestehend aus Spüle (mit Frischwasserpumpe) und halbkardanisch aufgehängten Origo-Spirituskocher (2 flammig), die Abdeckung der Pantry lässt sich als Ablage über die Hundekoje schieben
  • Tisch an Stb., der auch während des Segelns als Kartentisch genutzt werden kann (mit Kartenfach)
  • Frischwassertank im Vorschiff (ca. 45 Liter)
  • Vorschiffsluke (auch als Fluchtluke nutzbar)
  • sehr großes (L = 2,10 m) und selbstlenzendes Cockpit mit hohem, geschütztem Süll, anatomisch angeformte Sitzbänke, 2 große Backskisten
  • eingeformte Dauerbelüftung vor dem Mastfuß
  • Motorschacht für Außenborder (empfohlen 5 – 8 PS Langschaft), Einsatz zum Verschliessen des Motorschachtes zum unteren Rumpf
  • selbstlenzende Ankerlast und Ankerrolle auf dem Vorschiff
  • ausreichendes aufrichtendes Moment bei 90° Krängung (wiederaufrichtend)
  • Ruder angehängt am Spiegel in Teakholz massiv verleimt (Kielschiff) oder geteilter Ruderkopf in Teakholz massiv und aufholbares Ruderblatt (Kielschwerter)
  • V-förmiger Rumpf im Vorschiff, der für ein weiches Einsetzen in die Welle sorgt
  • silberfarbenem Aluminiummast (Bermudarigg) mit einer Saling. Das Standardrigg wurde von Holt Allen geliefert. Großsegelrollreffanlage/ Schneckenreff am Großbaum mit Vorliekstrecker und Baumniederholer. Als Zusatz konnten umgelenkte Fallen in das Cockpit bestellt werden.

Das freie Gangbord ermöglicht eine gute Schotführung, sodass ein Anluven bis zu 40° am Wind möglich ist. Das Boot hat einen Ballastanteil von 49 %  (Kielversion 44 %).

Es gab die sogenannte Binnenversion mit flacher Reling bzw. der Butenversion mit erhöhter Reling.

Lieferbar war die Pandora International in den Farben rot, gelb, grün, blau oder braun.

Empfehlenswert ist ein Langschaftaussenborder mit 8 PS. Mit dieser Motorisierung läuft das Boot relativ ruhig und bei ¾-Gas Rumpfgeschwindigkeit bei überschaubarem Verbrauch.

Und für die Regattasegler: Die Yardstickzahl beträgt für die Kielschwertversion 117.

Ereignisse und Leistungen

Eine Pandora International (KK) ist mit zwei Mann Besatzung von Portugal nach Venezuela über den Atlantik gesegelt worden. In Landnähe geriet das Boot auf ein Riff und ging verloren.

Eine weitere Pandora International hat 1979 einen 3000 Meilentrip über die Great Lakes gemacht. Bruce Buttimore aus CAN-Toronto segelte in vier Monaten mit seinem Boot "ANDROMEDA". Er hatte das Boot neu erworben auf der Toronto Boat Show. Im Jahre 1987 segelte Bruce Buttimore mit einer Contessa 26' von Toronto nach den Bahamas (vergl. Link).

Der damalige Hamburger Vertreter der Fa. Paul Roth, Günther Garbrecht (Fa. Interna Yachts), segelte in den siebziger Jahren selber eine Trotter Pandora/ Mk I mit dem Namen „TINSDAL“. Garbrecht wollte mit seinem Kunststoffschiff allein von Helgoland nach Hamburg segeln. Der Wetterbericht vom Vortage genau so wie der aktuelle des Hafenmeisters von Helgoland besagten, dass das stürmische Wetter nicht anhalten würde. Tatsächlich herrschte sogar Flaute, bis es schließlich bis zu Windstärke 8 aufbriste. Dem Skipper brach der Ruderbeschlag im schweren Seegang, der durch Wind gegen Tide verursacht wurde und bekannterweise sich in der Elbmündung stark aufbauen kann. Steuerlos trieb das Boot in der Elbmündung, wurde aber von einem Flugzeug gesichtet, dass eine Helgoländer Regatta verfolgte. Die Suchmeldung wurde weitergegeben und schon eine Stunde später erreichte der Seenotkreuzer „H.H. Meier“ der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger das vor der Elbe treibende Schiff. Es wurde eine Schleppverbindung hergestellt. Garbrecht konnte aufgrund des schweren Seeganges nicht abgeborgen werden und verblieb unter Deck. Während des Abschleppens kenterte das Boot durch und verlor dabei den Mast in einer Grundsee. Weitere Schäden wurden nicht bekannt, der Skipper kam nicht zu Schaden.

Andrew Knight, ein Rechtsanwalt aus England, segelte mit seiner komplett überholten Pandora International (Kimmkiel) namens ARABELLA im Jahre 2007 das Rennen ROUND THE ISLAND (rund Isle of Wight) mit und absolvierte den 30. Platz bei 680 gemeldeten Booten (siehe Link).

In Abersoch (Nord Wales/ GB) gibt es eine sehr aktive Gruppe von Pandora-Anhängern mit Regatten und gemeinsamen Ausfahrten (ca. 60 Boote). Dies ist auch die Heimat der Pandora Eigner Vereinigung (siehe Link).

In Südamerika sind aufgrund der Fertigung der Werft Astelleros Marco in Buenos Aires (Argentinien) sehr viele Boote beheimatet. So liegen diverse Boote z.B. in Puerto Belgrano (Provinz Buenos Aires) und in Ushuaia (Feuerland) ! Dass diese Boote in derartig schwierigen Revieren genutzt werden, spricht Bände ! Zur Erinnerung: Kap Horn liegt ca. 250 Kilometer Luftlinie von Ushuaia entfernt.

Vorteile dieser Boote:

Diese Boote sind in der Regel auch für einen Mittelklassewagen noch trailerbar (tatsächliches Gewicht: Kielboot ca. 1,2 to, Kielschwertboot tatsächlich gemessen ca. 1,5 to teilausgestattet). Die ganze Ausstattung ist einfach und robust gehalten. In der Regel ist die Decksschale und Außenhaut sehr fest und beulenfrei. Deck- und Rumpfschale sind durch die Scheuerleiste verbolzt und zusammenlaminiert. Der Mast ist mit zwei kräftigen Personen ohne Kranhilfe problemlos aufzustellen. Das Boot verfügt über eine Pantrysektion, bestehend aus Spüle und Kocher (Spiritus, Origo). Das Boot hat zwar 4 Kojen, ist jedoch tatsächlich nur für zwei Erwachsene auch auf einem längeren Törn ideal. Es hat sich herausgestellt, das eine Hundekoje immer als Segelkoje genutzt wird.

Für Einhandsegler ist das Boot sehr gut geeignet. Der Verfasser hat selber damit viele große Törns - auch einhand - absolviert. Das Boot ist sehr einfach zu handhaben und reagiert "wie eine überdachte Jolle". Das Schwert beim Kielschwerter ist sehr schnell über ein einfaches Schwertfall im Cockpit aufgeholt und nicht umständlich übersetzt.

Aufgrund der geringen Breite von 2,10 m findet man sogar abends in der Hochsaison noch einen freien Liegeplatz, wo andere Eigner schon verzweifeln oder alternativ um 15.00 anbinden müssen. Kleine Bootsbreite hat also auch Vorteile !

Wenn diese Boote gepflegt werden, kann man noch sehr lange seine Freude an ihnen haben. Sie sind mit geringen Kosten und Aufwand zu halten und zu betreiben.

Schwachstellen der Boote:

Bei dem Kauf eines Bootes ist insbesondere auf die Fenster zu achten. Diese sind im Originalzustand nur in einer Gummidichtung gehalten und sind dann aufgrund der alten und porösen Dichtungen durchlässig.

Bei der Kielschwertversion sollte das Ruder und der Schaft sehr genau kontrolliert werden. Da das aufholbare Ruder in einem verleimten Schaft steckt, bricht der Ruderkopf gerne mal z.B. bei erhöhtem Ruderdruck auf Hart-am-Wind-Kurs.auseinander. Der Verfasser hat aus diesem Grunde die gesamte Ruderanlage neu und massiv aus verleimten Sperrholz gebaut.

Sollte ein interessantes Boot noch über das originale Gelcoat verfügen und nicht überlackiert sein, achten Sie auf den Farbton. Dunkle Farben wie Schwarz, Blau und Rot bleichen extrem aus und werden aufgrund der UV-Strahlung milchig und scheckig. Bei Gelcoat lohnt es sich häufig, dieses professionell aufarbeiten zu lassen, da die Kunststofffertigung durch Rydgeway sehr durabel war.

Bei den älteren Pandora’s sind die Fallen in den Masten noch verzinkt. Sollte das der Fall sein, müssen diese unbedingt getauscht werden wegen der Bruchgefahr !

Die Dichtung des Vorluks ist meistens undicht. Insbesondere bei schwerem Wetter könnte es etwas Wasser auf die Vorschiffskoje geben. Dem kann man aber abhelfen durch eine neue Dichtung und einer offenen Luke während des Winterlagers, um die Spannung der Dichtung zu erhalten.

Der Zustand der Boote ist sehr gemischt, meistens aber sehr ungepflegt, wenn nicht sogar mit schweren (Struktur-)-Schäden aufgrund von Havarien. Doch das Suchen lohnt sich.

Wo kann man diese Boote am Besten erwerben ? In Deutschland gibt es – aufgrund des damaligen Standortes des Importeurs in Diessen am Ammersee (Fa. Bootsboutique Paul Roth) – die meisten Boote an den bayrischen Seen. Vereinzelt tauchen Boote auf Seen in Niedersachsen und Nordrheinwestfalen, einige wenige an den Küsten von Nord- und Ostsee auf.

In den Niederlanden sind vorwiegend Boote der Typen Trotter und Trotter Pandora zu finden. Das liegt an den Herstellern wie der hauseigenen Werft von van de Stadt und Peulen.

Einige Boote finden sich auch in der Schweiz, Österreich und Italien. Am Mittelmeer sind sehr wenige Boote dieses Typs zu finden, meistens in Spanien. Je weiter südlich man fündig wird, umso eher sollte man auch mit einer Neulackierung des Bootes rechnen, da die harte UV-Strahlung den Booten sehr schadet.

In England findet man sehr viele Boote, besonders der Typen Pandora Mk II, Pandora International und Pandora 700, da sie bei Rydgeway Marine Ltd. gebaut wurden. Die Eigner in England sind sehr aktiv und segeln viele Regatten mit diesen Booten. Es gibt eine Vereinigung der Pandora Eigner.

In GB gibt es noch einen Händler, der noch sehr viele Pandora-Ersatzteile führt.

Preise:

Die damaligen Preise für die Boote betrugen z.B. ab DM 18.000,- (1975) bis zu DM 35.000,- (1990).

Heute werden diese Schiffe im Rahmen von ca. € 1.500,- bis € 6.000,- angeboten. Realistisch sind jedoch Preise zwischen € 1.000,- bis 3.500,- je nach Typ, Baujahr, Ausstattung und Zustand oder sogar für einen dazugehörigen Trailer. Bei größeren Eigenleistungen gibt es auch schon für € 1.000,- (und weniger) Boote.

In England besteht eine sehr aktive Regattaszene, die vorwiegend Pandora International und Pandora 700 segelt. Diese Boote wurden zum Teil in einen neuwertigen Zustand gebracht und sind auch regattatauglich aufgerüstet mit neuen Riggs und Laminatsegeln. Dennoch gibt es hier schon bezahlbare Boote in einem Topzustand zwischen € 4.000,- bis € 6.000,- zu haben.

In Argentinien werden die Boote sehr teuer gehandelt: Z.B. für eine ca. 5 Jahre alte Trotter wird zwischen US$ 9.000,- bis US$ 15.000,- aufgerufen - und bezahlt. Doch als Einkaufs- oder Verkaufsmarkt für Europäer ist dies aufgrund der Entfernung (bummelig 11.000 Kilometer Luftlinie) wohl nicht zu empfehlen.

Das Hauptkriterium sollte sein, was der zukünftige Eigner ausgeben kann und wie viel Eigenleistung er investieren möchte.

Der Vergleich mit den heute hergestellten Booten wäre nicht ganz fair, da man diese Boote in ihrer Zeit sehen muss. Das Raumangebot bei heutigen Booten ist erheblich größer. Doch die Fertigungsqualität wie auch die technischen Konstruktionen und Installationen sind zum Teil absolut haarsträubend. Dies alles sollte man bei einem Kauf mit berücksichtigen.

Anmerkungen zu Ericus Gerardus „Ricus“ van de Stadt   

E.G. van de Stadt (* 1910; † 1999) war ein niederländischer Yachtkonstrukteur. Zusammen mit Kees Bruynzeel und dessen Erfindung des Bootsbausperrholzes begründete er den industriellen Sportbootsbau in den Niederlanden. Er gründete Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts mit seiner Frau die Werft „E.G. Van de Stadt Scheepswerf“ in Zaandam. Diesen Betrieb verkaufte v.d. Stadt 1973 an Dehler und konzentrierte sich auf das Entwerfen und Designen von Yachten. Seit seinem Ruhestand ab 1978 wird der Name Van de Stadt von einem Designteam weitergeführt. Das heutige Konstruktionsbüro hat seinen Sitz in Wormerveer nördlich Amsterdam.

Es wurden hunderte von Yachten und Bootes gezeichnet, die hier nicht alle genannt werden können. Die wohl bekanntesten, klassischen Yachten aus dem Büro van de Stadt sind:

Varianta 65, Dehler 31', Dehler 34', Optima 92 + 98, Duetta 86, Sprinta + Sprinta Sport, Delanta 75/ 78, DB 1 (Dehler)

Wibo (diverse)

Trintel Ia + Trintel IIa (Anne Wever)

E & A 1030 (Esslinger & Abt)

Pionier (diverse)

Friendship 28' + 33' (Friendship)

Comet 910 (Comar)

Bries (van de Stadt)

Sunbeam S 22 (Schöchl)

Etap 20'/ 22' (Etap)

Trotter, Pandora International, Pandora 700,diverse weitere Pandora-Modelle, Pirate, Prelude, Pegasus, Prospect (Rydgeway Marine)

Hinweis:

Der Verfasser, der in den siebziger Jahren unter anderem Yacht- und Bootsbau bei der Schwartz Werft in Wedel bei Hamburg (Imperator Motoryachten, Conger Jolle, Listang und Flipper Scow-Jolle) lernte, ist seit 1974 Eigner einer Pandora International („Familienerstbesitz“) in der Kielschwertversion. Damals kostete das Boot in der gelieferten Ausstattung incl. Mwst. DM 21.700,- . Es wurden mit diesem Boot ausgedehnte Reisen auf der Nordsee, Baltische See (Skandinavien), französische Atlantikküste (Biskaya, Bretagne) und Mittelmeer (z.B. rund Korsika) unternommen.

Er arbeitete im Yachtservice und Verkauf dieser Boote, unter anderem bei der Firma Bootsboutique Paul Roth am Ammersee in Bayern, die in den achtziger und neunziger Jahren deutscher Generalimporteur für Boote der Werft Rydgeway Marine war. Daher stammen auch die vielen Kenntnisse speziell über diese Boote von Rydgeway Marine. Sollte Interesse an weiteren Informationen vorliegen, kann gerne Auskunft gegeben werden.

Das eigene Boot erfuhr erst 1990 und 2007 größere Überholungen (neudeutsch „Refit“ genannt). 1985 brach ein originaler Wantenspanner des Oberwantes aus dem viel zu weichen Material Bronze (!), so dass der Mast beinahe über Bord ging. Darauf hin wurden alle Spanner gegen V4A-Spanner getauscht. In den neunziger Jahren musste die Ruderanlage getauscht werden, da konstruktionsbedingt der verleimte Ruderkopf brach. Die Antislipstruktur des Decks wurde mit 2 K-PU-Lack und Substrat wieder rutschfest lackiert.

Zuletzt wurde das Unterwasserschiff, der Ballastkiel und das Schwert mit Epoxiharz versiegelt. Die Fenster mussten abermals getauscht werden. Außenhaut und Decksschale sind im originalen Gelcoat. Das keine größeren Reparaturen anstanden, ist vermutlich der laufenden Pflege zu verdanken.

Das Boot wird noch heute mit den Originalsegeln (Holt Allen) von 1974 gefahren. Kaum zu glauben, aber möglich nach über 40 Jahren ! Das zeigt: Qualität, vernünftige Nutzung und Pflege lohnen sich !

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Links & Quellen:

Pandora Boat Owners Association/UK

http://pandorasailing.com/

sailboat.data.com

http://sailboatdata.com/viewrecord.asp?class_id=3519

Regatta Round the Island

http://www.roundtheisland.org.uk/web/code/php/main_c.php?map=rir14&ui=rir4&style=std&override=&section=competitors&page=onlineentry

Andrew Knight

http://yachtarabella.blogspot.de/2005/08/about-pandora-international.html

Pandora International, Southern Lightning sailing from Poole to ... (auf You Tube)

http://www.youtube.com/watch?v=3h67oSo5Lh4

Bruce Buttimore aus Toronto - 3.000 Meilen-Trip mit Pandora auf den Great Lakes

http://www.brucedesign.ca/cruising/index.html

GoSail.co.uk

http://www.go-sail.co.uk/pandora.asp

Deutscher Segler-Verband

http://www.dsv.org/index.php?id=565

Konstruktionsbüro VAN DE STADT DESIGN

http://www.stadtdesign.com/

© Thomas Leptihn

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